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Über die Kunstkarriere der Frau Arnold

Ich verheimlichte meiner Mutter alles, was ich so machte. Ich wurde für alles geschimpft. Als Kind starrte ich an die Tafel, während uns die Lehrerin das Dreieck erklärte und folgte nur fasziniert der weißen Kreide auf der grünlichen Tafel und wie die Farbe daran hängen blieb war so schön. Ich wollte unbedingt mal an die Tafel schreiben, aber das durften nur die Jungs.

Meine Tafel daheim war nur eine labberige schwarzer Plastikplane und die Kreide blieb nicht genau so daran hängen. Auch nicht auf der Minischiefertafel. Das Stempeln hat mich genauso fasziniert und ich stempelte alles voll. Mein ganzes Taschengeld ging für Lackmalstifte und Stempel drauf, die ich lieber verheimlichte, weil ich wieder nur geschimpft wurde, dafür dass ich damit malen wollte. Wieder blieb die Farbe interessant am Untergrund hängen. Ich bekam eine 5 in Kunst, weil meine Prinzessin auf der Erbse nicht fertig gemalt war. Meine erste Kunstnote. Ich liebte Snoopy und es machte eines Tages klick, ich war 14 und auf einmal kein Kind mehr. Von einem Tag zum anderen konnte ich Snoopy und Mädchencomics zeichnen. Ich verheimlichte es wieder, weil ich es unter der Schulbank machte und unter einer Schreibtischunterlage. Ein Bild: Liebespaar beim Knutschen, Größe 5x3cm wird von meiner Mutter nicht beschimpft, weil sie es nicht findet. Die Größe ärgerte mich. Im Kunstunterricht lernten wir das vergrößern von Bildern über Raster. Ich malte jetzt heimlich unter der Schreibtischunterlage 3×5 große Posterwerbung in Din A3 ab, weil ich sie mir nicht leisten konnte. Ein schwarzer Panther ist es gewesen. Das Bild ist leider verschollen. Ich könnt es nicht aufhängen, meine Mutter hätte mich geschimpft, dass ich male. Ich bekam auf einmal nur noch 1 und 1-2 in Kunst. So blieb es bis zum Abitur. Jetzt wurde ich fürs Malen nicht mehr geschimpft. Ich habe Kunstleistungskurs auf diese Weise abgelegt und keinen Studienplatz an der Kunstakademie  konnte dadurch bekommen, weil das nur eine Hochschulzulassungsberechtigung ist, wenn du eine Wissenschaft studieren willst. Ich versuchte das allerdings erst nach noch einem Jahr Studium an der freien Kunstschule Stuttgart. Ich versuchte es mit Surrealismus und man beschwerte sich, dass man meinen Pinselstrich nicht sieht und dass der Fotorealismus mega out ist.

Ich musst erst lernen, zu malen wie die anderen, grober Strich und abstrakt und etwas falsch in der Perspektive. Damit kam ich nicht durch an die Kunstakademie. Das Bestechungsgeld fehlte und so wurde ich Lehramtsstudentin an der Pädagogischen Hochschule mit 1-2 im Schnitt in den Noten für Kunst. Früher gab es viel Lob durch Proffesoren und andere Kunststudenten. Ich war eine Musterstudentin, deren Aktzeichnung den anderen als Beispiel herum gereicht wurde. Ich zeichnete wie besessen den ganzen Tag und Abends und es gab jetzt auch Radierungen und Ölgemälde. In den 90 er Jahren haben Männer mich als Künstlerin anerkannt. Mein Exfreund fotografierte die Kunst und so wurde sie nach einiger Zeit im Goteccaffee Karlsruhe ausgestellt. Alle fanden sie toll, es wurden 3 Bilder verkauft und 2 im Nachhinein gestohlen.

Die Kunstszene Stuttgart reagierte auf einmal eifersüchtig. Ich wurde angefeindet. Eine so große Einzelausstellung zum Karrierestart kriegt fast niemand hin. Ich war im Atelier Unsichtbar ehrenamtlich tätig und steckte auch Geld rein, aber meine Ausstellung stand immer hinten auf der Warteliste und so war der Besitzer gewechselt, bevor ich ausstellen konnte. Ich arbeite jetzt schon seit fast 20 Jahren an meiner nächsten Ausstellung einen großen Raum wie das Gotec zu füllen bedeutet, viele neue Bilder zu malen, da ich die selben nicht doppelt ausstellen wollte. Das Gotec stellt inzwischen keine Kunst mehr aus. Aus diesem Grunde ist bisher die zweite Ausstellung gescheitert.

Ich begann mit der Serie Federfrauen, aber es sind immer noch nicht 12 verkaufbare Bilder dabei.

Einige sind schon weg und andere will ich behalten und so würde nix aus der Ausstellung. Bisher. Ich hatte irgend wann den Faden verloren. Männer sind nicht mehr so nett wie in den 90 er Jahren. Auf einmal kamen meine „Freunde“ herein und beschimpften meine Kunst aufs schärfste. Je ungebildeter der Mann, desto schlimmer die Beschimpfung. Bernie beschimpfte meine Federfrauen: „Hat dir dein Vater das Malen nicht verboten?“ und „Nenn deine Bilder einfach Hitler“ unverschämtere Beleidigungen hört man selten. Besonders, weil er bemängelte, dass meine Klobürste ihm nicht sauber genug war, merkte ich, dass er nur noch der modernen Incelbewegung der Zurückversklavung der Frauen angehört. Es weht ein eisiger Wind gegen meine Frauenrechte, alles wird mir weg genommen, was ich früher hatte: Ausstellungen, Arbeitsplätze, Freiberuflichkeit. Es wird nur noch Häüsfraupoltik gemacht, auch in den Köpfen der Männer. Alle sind Kunstexperten und Professoren und alle wissen es besser, weil ihre Männlichkeit sie qualifiziert mir eine 6 für alles zu geben.

Dieses lächelnde Bild soll zu unfreundlich sein, ein anderes „verzerrt und unsymmetrisch“. Ich kann über Ausmessungen die Symmetrie darin beweisen. Dies ist egal.

Man beleidigt die Frauenkunst so schrecklich wie möglich, weil Männer gelernt haben, dass ihnen Sex nicht verkauft wird, wenn ich Kunst oder Arbeit verkaufen kann. Das Prostitutionsgewerbe fängt alle Männer auf, die nicht Hausfrauen halten wollen. Alle andere Arbeit, die Frauen anbieten wird bekämpft und wahnsinnig schlecht gefunden. Ich höre nur noch unfaire Kritiken, je besser die Kunst wird, desto mehr wird sie beschimpft und vor allem geht es darum, dass ich als Frau keine Kunst machen soll. Der Zustand verschlimmert sich zusehends. Es wird mir immer mehr der Weg verbaut, je besser ich bin. Hass, Häme und sogar Morddrohungen durch benachbarte Christen häufen sich in den letzten Tagen. 

Hitler und mein Vater haben mir die Kunst nicht weg genommen. Aber die Männerrechtler, die überall zur „Jagd auf die Frau“ blasen, nehmen mir bald mein Leben weg. Ein Gefühl wie, kurz davor zu stehen vor dem Holocaust zu flüchten. Die einen nennen mich „Jüdin“, die andere „Hausfrau“ die nächsten wollen mich ins nächste KZ verschleppen lassen, dass heute „Winnenden“ heißt. Sie denken sich Taten aus, die sie mir unterstellen und bei der Polizei anzeigen, die meine Deportation versprochen hat, wenn Nachbarn nur genügend Anzeigen aufgeben. 

Ganz dickes 4. Reich. 

Die Diktatur hat das Ausstellen im Wohnzimmer und im Atelier verboten.

Die Serie Göttinnen ist in Arbeit, sie ist nicht fertig, darum habe ich das Anschauen vorab im Atelier, bzw. Wegen der Zustände dort, lieber im Wohnzimmer erlaubt. Das ist alles, was ich mir dabei überlegt habe: „Kommt einfach vorbei und schaut es mal an“ Sofort hat mein alter Feind, die Baden-Württembergische Landesregierung dagegen einen Plan. 3 Wochen nachdem ich dafür mit Werbung angefangen habe wird es verboten. Ausstellungen, Atelierverkäufe sind im Lockdownlight, der wohl für immer verlängert wird.
So weiß die Frauenrechtsbekämpfungsbewegung der Landesregierung, dass mir hier der Zugang zum Geld nochmal verweigert werden kann. 

Die Welt kämpft mit allen Maßnahmen, die sie aufbieten kann, gegen die UN-Menschenrechtskonvention und nennt diese Corona. 

Vitruv-Madonna-Vitruvianische Frau

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