Über das Kopftuch-schreiben-müssen-Zwang

Jede Feministin muss ein Statement zum Thema Kopftuch abgeben oder eine Meinung dazu haben.

Also muss  ich mich dem „Über das Kopftuch schreiben müssen Zwang“ ergeben und mir eine Meinung bilden.

Ich habe nicht so richtig eine Meinung über das Kopftuch, weil ich mir eine Meinung über die Unterdürckung der Frau mache. Ich denke dazu, dass es ein Symptom ist, wie ein Ausschlag ein Symptom ist von „Masern“ oder Pusteln ein Symptom von der „Pest“ oder „Aids“ so ist die Krankheit die Unterdückung der Frau und ihre Geringschätzung und ihre Stigmatisierung als Mensch zweiter Klasse und die Versklavung der Frau. Ich versuche ständig die Krankheit zu behandeln und nicht das Symptom. Wir Feministinnen werden dazu gebracht, uns ständig mit dem Jucken und Kratzen des Ausschlags zu beschäftigen, anstatt das Antibiotikum und das Antivirale Medikament gegen die Krankheit zu suchen. Ich suche nach einem Heilmittel und nicht nach Abdeckstiften und Hautfarbene Groundation für häßliche Ausschläge auf unserer Haut.
Es gibt zu viele Symbole für die Unterdrückung der Frau. Wichtig ist auch, was für eine Bedeutung ein harmloses Stück Tuch haben kann. Ist es ein Symbol für die Unterdrückung der Frau oder ein traditionelles Kleidungsstück, wie ein Dirndl und ist ein Dirndl vielleicht auch ein Symbol für die Unterdrückung der Frau? Immerhin will der Mann in Deutschland die Frau genauso unterdrücken, wie ein Muslim nur bei uns will er in den Ausschnitt sehen und grapschen können und sie als allgemein zu Verfügung stehendes Eigentum sehen, wie es auch unsere Justiz lächelnd akzeptiert und in der muslimischen Variante der Frauenunterdrückung will der Mann die Frau als Eigentum deklarieren. Ich sehe eine Gemeinsamkeit: Die Frau soll dem Mann gehören anstatt sich selbst. Also lasst uns die Krankheit bekämpfen und sagt
„Die Frau gehört sich selbst und niemand darf sie versklaven oder verkaufen oder benutzen, gegen ihren Willen.“
Das ist eine meiner Kernaussagen in meiner persönlichen Variante des Feminismus. Ich will mich nicht auf Nebenschauplätzen verlieren und ablenken lassen in Scheindebatten. Es ist eine Scheindebatte, denn ein Kopftuch wird nur wegen seiner Symbolhaftigkeit zum Problem. Ich stelle einfach den Grundsatz auf:
„Die Frau darf sich anziehen wie sie will, wenn sie es aus freien Stücken und ihrem Wunsch heraus macht.“
An und für sich ist das Kopftuch in bestimmten Situationen ein sinnvolles Kleidungsstück und ein Modeaccessoire. Es kann schön und hässlich aussehen, je nach Geschmack. Ich habe oft einen anderen Geschmack, was Mode betrifft, wie andere Frauen, deshalb fange ich nicht an, sie zu beschimpfen oder ihnen zu sagen, sie wären nicht feministisch genug. Vielleicht steckt unter dem Kopftuch eine Frau, die sich nicht wehren kann oder eine, die genau so eine feministische Einstellung hat wie ich und die mit ihren Gedanken noch nicht in den Bereich eingedrungen ist, sich befreien zu wollen, weil sie ihre Eltern liebt und ihnen gefallen will oder nicht in die Gefahr geraten will, begrapscht zu werden.
Ich habe mich hier in Deutschland bei dem Gedanken ertappt, dass ich in einer Burka vielleicht weniger oft belästigt worden wäre und auch nicht so oft angestarrt, als wäre ich ein Freiwild und der Jäger visiert mich an. Und ja, ich habe dieses Männerbild, (Sie wissen schon wer), denn ich habe es aus Erfahrung. Ich war zeitweise ein herum laufender Schlüsselzreiz (es ist Tabu sowas unter Frauen zu sagen, denn alle werden sofort aggressiv), ich habe große Brüste, schlanke Taille und lange Haare und große Augen. Es ist einfach so. Ich will auch nicht, dass das weg geht oder es verstecken müssen unter großen Jacken, die dick machen und mir eine Adipositas zu legen, damit ich nicht mehr so in Gefahr bin, ich kenne Frauen, die sowas machen, z. B. nach Missbrauch. Sie verstecken ihre Körper oder sie wollen sich immer kleiner machen durch Magersucht. Oder sie ziehen sich an wie Männer (wenn es keine Lesben sind, dann warum) und schneiden sich die Haare kurz, gehen in die Konferenzen der Männer mit Anzug, damit sie männlicher aussehen und als „Menschen“ gesehen werden und nicht als die Servierdame. Das liegt am Frauenbild. Musliminnen glauben manchmal, eine Verschleierung würde Schutz bewirken, weil sie auch keinen rechtlichen Schutz haben und ihren Männern keine Grenzen gesetzt werden. Vielleicht fühlen sie sich dann sicherer.
Im Koran steht anscheinend: „Die Scham der Frau soll bedeckt sein.“ Die Scham der Frau ist bei mir wo anders als auf dem Kopf, das ist also Auslegungssache, ob ein Kopftuch tragen als Religion angesehen wird. „Die Frau soll nicht… “ ist oft die Antwort, die Muslime geben, wenn sie gefragt werden, was Islam ist. Insofern ist Islam nicht Feminismus und auch nicht meine Religion. „Die Frau soll nicht… “ Das ist überhaupt keine religiöse Aussage, die irgend was mit Spiritualität zu tun hat, sondern eine Machtfrage. Eine Religon ist dafür ein Vorwand.

Natürlich könnte Mann mich nicht mal mit vorgehaltener Pistole zu einer Burka zwingen (nur als Methapher), der soll lieber schießen. Nur so kann eine Frau sich gegen sowas, wenn es aus Zwang geschieht, wehren: Das Wort heißt NEIN. Manchmal kann eine Frau sich dann überraschenderweise auch durch setzten. Aber nicht immer. Dann muss sie nur noch alle Strafen und Machtinstrumente über sich ergehen lassen, um sich durch zu setzen.
Zur Zeit erlebe ich das, dass ich von der Familie bestraft werde, weil ich Kindervergewaltigung nicht gut finde. Die Strafen sind enorm, die Familie verstößt dich. So ist es auch mit vielen muslimischen Frauen. Die Frau zu beschimpfen ist ein Unding.
Wenn das Kopftuch von z.B. von einer Designermarke gemacht wird und langsam schicker wird, dann finde ich das nicht kritisierenswert, denn durch langsame Aufweichung und Durchlöcherung oder Verkleinerung, kann das Ding verändert wird, bis es nur noch ein totschickes Modeaccesoire ist, das so sexy ist, dass die Männer es verbieten wollen. Laßt doch die Muslimas das Ding aufweichen und verändern und umdekorieren, wie sie es langsam durchsetzen können.

Ich persönlich ziehe mich an, wie mir ist. Weiblich und mit langen Haaren. Die langen Haare sind symbologisch und tiefenpsychologisch ein Zeichen für weibliche sexuelle Potenz. Die lasse ich mir nicht beschneiden. Die dunklen Haare ein Protest gegen den Blondfärbezwang, den es in Deutschland gibt, bzw, natura. Ich mach das Blondieren einfach nicht, obwohl ich dadurch extrem starke Nachteile habe. Wegen meiner Haare habe ich den meisten Ärger. Das Kopftuch soll also symbologisch die weibliche sexuelle Potenz einschränken. Daher würde ich persönlich das eher negativ sehen.

Ein weiterer Aspekt ist aber, dass das Kopftuch auch eine kulturelle Tracht ist. Für viele Frauen wird es auch ein Aspekt Heimat oder Heimweh sein. Wenn Sie schon mal da im Süden waren, wo der Islam her kommt, dann greifen Sie automatisch zu einer Kopfbedeckung oder Sie bekommen einen Hitzschlag. In einer Wüste bläst Ihnen der Sand und der Wind ins Gesicht und sie ziehen reflexartig ein Tuch vor ihren Mund und Ihre Nase. Auch Männer machen das. So entstand viel von dieser Tradition. Neulich sah ich eine blonde Frau mit einem Kopftuch, denn es regnete in Strömen,  an der Tankstelle kreischen: „Sie wollen Israel vom Euphrat bis zum Tigris bauen“ (Also, mitten in Türkei, Syrien, Irak um verlegen?) Die Lautstärke war beängstigend und es wurde mir klar, warum Leute mit Kopftuch vielleicht doch gefährlich sind. Sie war extrem aggressiv und mir wird Angst und Bange, nicht dass sie meine Haarfarbe bemerkt und mich mit dem Regenschirm verprügelt…. (Achja, ich fühle mich von Nazis mehr bedroht als von Juden, Antisemitismus und Rassismus wird wieder offen auf der Straße rum gebrüllt)

Überlegung: Würde vielleicht ein Kopftuch verhindern, dass ich wegen dunkler Haare böse angeschaut werde ….. Ne doch nicht, dann schauen sie böse wegen dem Kopftuch.

Mir persönlich macht es gerade mehr zu schaffen, wenn ich denken muss, wir hätten wieder 1930, als wenn ich mit einer Muslima mit Kopftuch zusammen in einem Supermarkt einkaufe, die ziemlich nett ist.
Die Stimmung ist aufgehetzt und die Kulturen prallen aufeinander, das ist klar. Ich würde den Feminismus nicht so gerne in den Kulturkampf reinziehen wollen, sondern als ein Kampf aller Frauen um ihre Gleichheit und ihre vollen Rechte und Chancen im Leben als Menschen gleicher Klasse zu gelten, auf der gesamten Welt.
Es ist dabei egal, welche Kleidermode da gerade herrscht. Es wäre sinnvoll Toleranz gegenüber der anderen Frau zu haben und sie nicht an zu greifen, sondern sie zu unterstützen, auch wenn sie solange noch Kleidung trägt, die nicht mein persönlicher Kleidungsgeschmack ist.
Toleranz ist Freiheit und Freiheit ermöglicht Kreativität und Kreativität ermöglicht Entwicklung, Veränderung und Fortschritt. Sozusagen bin ich da nicht konservativ.
Lasst uns doch neue Kleider aus probieren, wenn sie nicht gefallen musst du sie ja nicht anziehen. Jede Frau sollte jedoch anziehen dürfen, was sie will.
Wenn sie dann z.B. Präsidentin von Saudi Arabien ist, Auto fährt, einen Studien oder Berufsabschluss hat, ein Abtreibungsrecht, ein Frauenwahlrecht, ein funktionierendes Sexualstrafrecht, gleiches Gehalt wie ein Mann, gleiche Berufschancen, genug Kinderbetreuung, Verhütungsmöglichkeiten, ein Bankkonto, einen Pass, ein Scheidungsrecht und ein genauso hohes Ansehen, wie ein Mann und wenn sie ihren Partner selbst wählt und körperlich nicht verletzt oder genital- verstümmelt wird und unvergewaltigt lebt und aufwächst,…..dann ist es völlig egal, was für ein Kleidungsstück sie auf dem Kopf tragen will oder nicht.
Ich habe gelesen (nicht überprüft), dass in ganz Nordafrika und in Ägypten 9 jährigen Mädchen die Genitalien abgeschnitten und alles wieder zu genäht wird. Das sollte uns eher aufregen und zu Hilfe anstiften, als Tücher.
Konzentrieren wir uns bitte auf das Wesentliche.

Achja, ich wollte nicht unbedingt über das Kopftuch sprechen, denn ich bin da ehrlich und wollte nicht auf einer Todesliste oder Fatwa landen, denn den Koran sollten eigentlich nur MuslimInnen auslegen.

© 2016 Juliane Arnold

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