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Mein Leben im Lockdown – Lehrerinnenarbeit unmöglich

Man überredete mich 1992 zu einem grundständigen Studiengang zur Sonderschullehrerin, sie würden dringend gebraucht und unser Studium sollte deshalb verkürzt werden. Nachdem ich diesen abgeschlossen hatte, kam ich ins Referendariat und der Prüfer sagte: „Dieses Jahr will das Schulamt nicht alle übernehmen und sie sollen nicht alle Einser bekommen, sondern ein paar von Euch werden auf 3 gesetzt und das wird sich auch nicht ändern, wenn ihr euch mehr anstrengt.“ So jemand war ich auch, nur dass noch einen Nebenfachnote mit einer 1,5 dazu kam. Das Schulamt sagte für unseren Jahrgang: Nichteinstellung für alle. Sie brauchen uns erst in 20 Jahren, wenn die alte Garde in den Ruhestand geht. Gesagt getan. 

Nach 20 Jahren Multimediadesign, welches ich als Weiterbildung gelernt hatte, kehrte ich in den Lehrerinneberuf zurück, angeblich händeringend gesucht. Man machte mir befristete Verträge, ohne Bezahlung in den Sommerferien. Gleichzeitig verliere ich dabei Kündigungsschutz. Der Rektor wollte mich nicht übernehmen, mit der Begründung: „Frauen könnten Kinder haben, die nehm ich nicht.“ Es war der Selbe, wie der Prüfer im Referendariat. Ich wurde an eine andere Schule gebeten. Verbeamtungsfeier für Angestelltenverhältnis inklusive. Missio oder vocatio Zettel nicht ausgefüllt. Ich bin doch nicht katholische Missionarin oder Religionslehrerin. Dann erwischte man mich ohne eigene Kinder und gab mir eine 6 fürs Windeln Wechseln im Sonderschulkindergarten und warf mich wieder raus. Erniedrigungen und Buhrufe sind für die Lehrerinnen in diesem Beruf normal. Ich fand neue Arbeit in einer privaten Waldorfschule und stürzte kurz darauf in die Tiefe unseres Treppenhauses. Der Arbeitsvertrag wurde noch nach hause geschickt, die Kündigung auch, da ich vom ersten Tag an krank war, durch eine schwere Verletzung meines Sprunggelenkes. Ich versuchte Lohn für 3 Wochen ein zu klagen, brach dies jedoch aus gesundheitlichen Gründen ab. Jetzt kann ich dort nicht mehr hin zurück. 1,5 Jahre arbeitslos. Multimediajobs nur für den männlichen Bewerber. Seit 8. Dezember habe ich mich wieder gesund gemeldet. Bewerbungsgespräch wegen Lockdown auf den St Nimmerleinstag verschoben. Es ist zu erwarten, dass ich noch weitere Jahre zwangsarbeitslos gemacht werde durch Regierungspolitik! 

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