Interview mit einer illegalen Obdachlosen

Sie spricht französisch und ungarisch, von deutsch und englisch keine Spur. Also muss ich eben mein Französisch bemühen, egal wie schwer das auch ist. Ich wollte es genauer wissen. Da es geregnet hatte waren die meisten Obdachlosen irgendwo hin verschwunden, so dass es nicht ganz so gefährlich war auf eine größere Gruppe zu zu gehen, das heißt ich ging auf eine kleinere Gruppe dieser Obdachlosen Ausländer zu, um heraus zu finden, warum sie im Park wohnen müssen.

Sie knutscht mich erstmal links und rechts und heftige Umarmung und viel Freundlichkeit, ich halte lieber meine Handtasche solange fest. Natürlich kommt sofort: „Hast du was zu essen dabei … oder Geld?“ Es ist leicht sie zu bestechen, nur die Sprache macht Probleme. Sie hat 5 Kinder in Ungarn, die bei der Oma geblieben sind. Darunter ein 3 Monate altes Baby und sammelt hier Geld für Essen, um es nach hause zu schicken. „Also das steckt hinter Ungarischen Bettelbanden“ Denke ich. Es klingt leider nach einer glaubwürdigen Geschichte. Sie darf hier nicht arbeiten, zeigt mir ihre Strähne ihres Haares: „Selbe wie du, darf nicht arbeiten.“ Sie darf auch nicht ins Obdachlosenheim. „Hotel ist viel zu teuer.“ Ich schlage ihr vor, den Tafelladen aufzusuchen, den kennt sie schon. Sie wird dort immer wieder von der Polizei rausgeschmissen, außerdem  sei schon geschlossen. Sie darf dort also nichts zu essen holen. Wer einmal bei den Tafeln nachforscht stellt auf deren Website fest, dass sogar ein Lichtbildausweis notwendig ist, um dort etwas zu essen zu bekommen. Es muss ein Kontoauszug vorgelegt werden oder eine Bonuscard der Stadt Stuttgart, die nachweist, dass die Person zu wenig Geld für Nahrung hat. Deutschland überprüft alles. Nicht dass der Daimlerchef oder der Chefarzt sich dort Lebensmittel, die im Supermarkt schon abgelaufen sind, für umsonst holt,. Alles muss überprüft und dokumentiert werden. Die Schamgrenze der normalen Menschen wird dadurch nur noch mehr angehoben.
Illegale Einwanderer haben nur selten eine Chance auf eine Lebensmittelspende, ihnen bleibt nichts anderes übrig als zu betteln.

Andere, ärmere Länder stellen wenigstens Slums und Suppenküchen zur Verfügung, auch wenn die Leute illegal im Land sind. Bei uns gibt´s nicht mal eine Wellblechhütte.


© 08. März 2017 Autorin Frau Juliane Arnold. Stuttgart, Deutschland.
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