Großstadt – Kunst des Stuttgarter Stadtmuseums

Achtung, sehr komplizierte Bildbesprechung:
Bild „Großstadt“ Otto Dix aus dem Stuttgarter Stadtmuseum.

großstadt-dix

Das Bild „Großstadt“ wurde laut Signatur 1928 gemalt. So viel ist sicher. Allerdings nicht das Bild, das nachher abgemalt wurde. So viel ist auch sicher. Nur welches Bild ist jetzt das Original?

Früher habe ich das Bild zuletzt gesehen in der Galerie der Stadt Stuttgart. Seit dem Galerieumzug in den „Kubus“ neues Stuttgarter Stadtmuseum konnte ich mir den Eintritt von 22 € nicht mehr leisten. Dafür ging ich aber ganz gerne in das Cafe Planie, das sich auch in der Nähe des Schlossplatzes befindet. Dort hingen perfekt abgemalte Bilder dieses schönen Gemäldes aus den 30 er Jahren des letzten Jahrhunderts und ich ging immer wieder ganz gerne hin. Als ich neulich allerdings das Auktionshaus in der Rotebühlstrasse 108 erforschte, sah ich, dass ein paar Bilder überhaupt nicht nach den Künstlern aussehen, die sie angeblich gemalt haben sollen. Natürlich kann ich das nicht beweisen, aber für einen Kirchner, ein Star des Expressionismus, war da ein ganz schön schlecht gemaltes Bild, das nur für 1900 € verkauft wurde. Sowas würde doch ein Kirchner nicht malen.
Ich erinnerte mich, dass hier in Stuttgart mal ein Meisterfälscher namens Kujau gelebt hat und dieser könnte ja der Urheber des Bildes sein. „Hm, also eine Fälschung zu erkennen dürfte ja gar nicht allzu schwer sein“, dachte ich mir. Da fielen mir diese wunderschön abgemalten „Dix“-Bilder im Cafe Planie wieder ein. Wirklich perfekt abgemalt, das ist  ja gar nicht so einfach, wer hat das wohl abgemalt? Vorgestern kam dann auf 3 Sat ein Bericht (läuft noch als 5-Teiler) über den Meisterfälscher Beltracchi, der sich darin rühmte der perfekteste Otto-Dix-Fälscher zu sein, den man sich vorstellen kann und niemand wäre ihm drauf gekommen…. .naja, er sitzt gerade im Gefängnis, wegen bandenmäßigen Betrugs, wegen Kunstfälschungen. 3Sat gibt ihm dafür eine Werbesendung, damit es mit der Karriere nach dem Gefängnis wieder klappt. Er kann es echt, das hat er bewiesen, indem er vor der Kamera Harald Schmidt im Dix –Stil einigermaßen stilecht portraitierte. Ich will jetzt auch niemanden verdächtigen, aber vielleicht hat er die Bilder in dem Cafe so perfekt abgemalt?
Leider musste ich feststellen, dass ich mich komplett getäuscht habe, denn in dem Cafe hängen ja nur Drucke! Wie dumm von mir. Also war ich in dem Museum, na ja, zuvor eben. Und schaue mir ca. 2 Stunden lang das wunderschöne Gemälde „Großsstadt“ an. Ich stellte so einiges fest. Einmal ist die Unterschrift auf den Gemälden, die unter „Dix“ da hängen nicht immer die Gleiche. Nein.  Einige der Gemälde haben einen Bogen und eine Oroborosschlange als Signatur. Ich zeig euch das mal:

 

Signatur 1

O-D


Das war aber ein anderes Gemälde als Großstadt und ist auch auf anderen Gemälden häufiger zu sehen.

Weitere Gemälde von dem selben Künstler haben folgende Unterschrift:

Signatur 2:

Dix

Oder diese Unterschrift ist sehr häufig:
Signatur 3:

at

Ich wollte aber jetzt über das Gemälde Großstadt sprechen, denn die meißten wissen nicht, was für einen Ärger KünstlerInnen in den 30er Jahren in Deutschland bekommen haben, für ein Gemälde, das ganz offen den Krieg thematisiert und kritisiert und die Gesellschaft. Die Gesellschaft, die einen Tanz auf dem Rücken der Armen und verletzten Veteranen führt, die draußen vor der Tür betteln müssen. Sie stehen auf einer Treppe, was bedeutet, sie stehen Stufen höher als die Kriegsverletzten und Armen. Je höher sie stehen, desto maskierter sind ihre Gesichter, das bedeutet, man weiß nicht mehr, wer auf der sozialen Leiter oben steht und das Sagen hat ( rechte Seite des Triptychons) Links auf dem Triptychon sind die Huren und Bettler, die wie die Hunde im Dreck liegen.
Jemand die oder der so ein Bild malt, malt sicher kein Hakenkreuz auf das Kleid der Frau. Ist das jetzt eine Abwandlung und Veränderung der etwas merkwürdig veränderten Sigantur 3, die auf manchen Bildern vor kommt und die jemand in ein Hakenkreuz umgewandelt hat?

Dies ist etwa die Geschichte, die das Gemälde erzählt: Die reichen Damen und Herren feiern im mittleren Teil des Triptychon eine Party und schauen arrogant auf die verletzten, die im Dreck auf der Strasse liegen und denen Beine oder die Nase von den Kriegsverletzungen fehlen. So ein Bild wurde von den Nationalsozialisten als „Entartete Kunst“ klassifiziert. Dafür wurde extra eine Ausstellung organisiert, in der die Creme de la Creme der Avantgardekunst zur Schau gestellt werden sollte, als eben „Entartete Kunst“ Hitler hatte eben ein Problem damit, dass er selbst als Künstler keinen Erfolg hatte. Entartete Künstler waren Systemkritiker, klassische Moderne und jüdische KünstlerInnen. Diese KünstlerInnen hatten es später nicht leicht, wurden in Konzentrationslager deportiert und ihre Werke wurden von den Nazis beschlagnahmt, die sehr wohl wussten, wie wertvoll die Bilder waren. Sicher ist jedoch, dass der Herr Otto Dix von dieser Verfolgung weitestgehend verschont blieb und ein schönes Leben am Bodensee führte und diese Bilder unter seinem Namen später verkaufte und sich später als Systemkritiker, der unter den Nazis gelitten hat, feiern ließ.

In jedem Fall ein spannendes Bild. Also ich gebe zu, ich habe es gerochen. Eines der Bilder muss eine Fälschung sein, das im Museum  oder das im Cafe. Nach ca. 2 Stunden Betrachtung, denke ich, ja aber usw… bisschen hell grell leuchtet mich diese goldene Stelle in der Mitte an. Herr Beltracchi meinte ja im Fernsehen, er würde sogar noch ein wenig verbessern an der Originalkunst, wenn er schon mal was abmalt. Aber das ist jetzt eine böse Unterstellung, denn ich konnte leider das andere Bild in dem Cafe nicht mehr vergleichen, denn da hängt ja doch nur ein Druck. Falsch:


//*** Nachtrag 24.07.2017 Inzwischen konnte ich näher an das Bild heran. Es hat einen Pinselstrich, die selbe Größe, wie das Original und es hat die besseren Originalfarben, wie das Bild im Museum. Die Bilderrahamen sind exakt identisch. Es ist darunter ein Schild: Otto Dix, Großstadt. Kopie von Andrea Stolz. Galerie Joniskeit.

***//


Allerdings sind auf diesen Drucken, die auch auf der Speisekarte noch zu sehen sind die goldenen hellen Stellen, die mir im Museum so entgegen geleuchtet haben gar nicht golden, sondern dunkel und schön modelliert gemalt und nicht so flach. Leider ist dieses Bild, wie gesagt, zum Vergleich nicht mehr da. Das Kunstmuseum verkauft Postkarten mit den hellen goldenen Stellen. Alte Abbildungen im Internet oder die Speisekarte des Cafes haben aber die dunklen Stellen. Welches ist jetzt das echte Bild?

Hier mal zum Vergleich:

Das hängt im Stuttgarter Stadt-Museum:

großstadt-dix-Ausschnitt-30.07.2015-Musem-Pfeile

Das ist eine altbekannte Version des Bildes:

Grossstadt-Druck-1991

großstadt-dix-Ausschnitt-30.07.2015-Original-Pfeile

Bei den alten Drucken, die noch von früher im Umlauf sind, gibt’s keine goldene Stelle zwischen den Schulterblättern am Kleid der Frau und dem Tuch das davon weg fliegt und auch kein Hakenkreuz im Kleid der Frau, sondern hier sieht es eher aus, wie ein Knopf am Kleid. Das Kleid ist plastisch ausmodelliert gemalt.

Dann gibt es noch einen Unterschied in dem wegfliegenden Tuch: Hier ist im alten Druck etwas hell gemalt, dass im Museum jetzt grün gemalt ist.

großstadt-dix-Ausschnitt-29.07.2015-Musem-gruen Jetzige Museumsversion

falsche-Farbe alte Version

Aber wie gesagt, das war leider nur ein noch ein alter Druck, der von der anderen Version noch da ist und leider kein echter Vergleich mehr. Eines der beiden Bilder wurde abgemalt. Welches ist jetzt wohl das Richtige?

Vergleich-Schulterblatt


 

© 2015 Text geschrieben von Frau Juliane Arnold (weibliche Künstlerin)


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