Gewaltmechanismen im Patriarchat

Das Patriarchat ist eine Gewaltherrschaft und kann nur durch die andauernde Ausübung von Gewalt und Unterdrückung am Leben gehalten werden.

Vorneweg: Sehr viele Männer in unserer Zeit gehen sehr respektvoll, liebevoll und fair mit Frauen um und begegnen ihnen auf Augenhöhe. Toll, weiter so. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Es sollte keine Gruppen auf der Welt geben, die anhand bestimmter Merkmale nicht so behandelt werden. So die Theorie.

Die Theorie, das sind die Menschenrechte oder die grundgesetzlich verbriefte Gleichstellung. Die Antidiskriminierungsgesetze und die Grundsätze, „dass niemand auf Grund seines Geschlechts, seiner Religion, seiner Rasse, seines Alters oder seiner sexuellen Vorlieben diskriminiert werden soll.“ (GG Artikel 3)

So, den ersten Fehler habe ich schon gefunden. Es ist die patriarchale Sprache, die nur männliche Personalpronomen/ Dativ verwendet. Umgangssprachlich natürlich nur.

Also noch mal von vorne: „Niemand darf wegen ihres oder seines Geschlechts, ihrer  oder seiner Religion, ihrer oder seiner Rasse, ihrer oder seines Alters und ihrer oder seiner sexuellen Vorlieben diskriminiert werden.“

Klar, bricht man sich hier manchmal die Zunge, aber es zeigt einer eben schnell, dass Gewalt bis in Sprache hinein reicht. Dies sind nur die Symptome. Dahinter steht, dass nicht nur in der Sprache, sondern auch im Leben „Frauen sind selbstverständlich immer mitgemeint“ genau das nicht gilt: Frauen sind selbstverständlich nicht mitgemeint. Frauen werden nicht gewünscht. Wie gesagt, nicht von allen Männern. Aber von vielen und von der Struktur. Das wir übersehen werden, wenn ein Gespräch geführt wird, oder unsere Beiträge überlesen, oder überhört werden. Wie ignoriert oder wie die unsichtbare Person im Raum. Frau braucht schon ganz schön Durchsetzungsvermögen, um sich bemerkbar zu machen. Dann nennt man sie „Mannsweib“ und spricht ihr einfach weibliche Eigenschaften ab. Mit so einer lässt sich ein Kerl aber dann nicht ein. Mit so ner Emanze will er nicht zusammen sein, also verlässt er sie, bis er ein unterwürfigeres Exemplar Frau findet. Notfalls kauft er sich eine. Schließlich haben wir ja, die „Strukturelle Gewalt“. Wozu hat man Frauen nicht schon von klein auf klar gemacht, dass sie weniger Wert sind als die Männer? Wir Mädchen können ein Lied davon singen, wie enttäuscht doch unsere Eltern waren, als wir geboren wurden. Unsere Mütter weinten Tränen und unsere Väter hofften auf ein anderes Geschwisterkind, um endlich an die ersehnte Modelleisenbahn zu kommen. So freundlich in dieser Welt empfangen, werden wir auch weiterhin eben geduldet. Viele Studien beweisen, dass kleine Mädchen in der Kindheit weniger zu Essen bekommen und ihre Muttermilch anders zusammen gesetzt ist. Dabei gehe ich jetzt gar nicht auf die Länder ein, wo Mädchen kaum noch die Chance haben geboren zu werden.

Unsere Mütter tragen einen großen Anteil an der Diskriminierung. Sie geben einem früh das Gefühl, dass es erwünscht ist, dass die Tochter bald heiratet, weil sie selbst ja doch nie was zustande bringen wird  und weil sie ohne Mann einfach nur peinlich ist und nicht viel Wert. „Keinen abkriegen“ wird uns als Schande verkauft, dabei wird übersehen, wie sehr sie doch danach gieren uns abzukriegen. Diese kleine Gehirnwäsche zur Zerstörung des Selbstwertgefühls junger Frauen, kann ja nie schaden. Ja, zumindest ich und meine Freundinnen, die in den 70 er Jahren geboren wurden, durften diese Erfahrungen machen. Vielleicht geht es den jungen Mädchen schon besser, denn damals waren eben auch die Rechte der Frauen noch par Gesetz beschränkt. Hast du gedacht, das war alles? Nein. 20 % der Frauen wurden in ihrem Leben Opfer sexueller Gewalt. Dies hat die neue EU Studie festgestellt. Ich würde sagen, dass die Dunkelziffer noch höher ist. Draußen hört man wenig davon. Liest man Presse und hört unsere männlichen Mitmenschen über uns reden wird gerade massiv mobil gemacht von „maskulistischer“ Seite. „Ach wieder ein armer Mann angeklagt wegen Vergewaltigung. Der arme arme Mann.“ So der Grundtenor unserer Presse. Sagt mal, habt ihr alle einen an der Waffel? Frau Gisela Friedrichsen ganz besonders vorneweg in der in Deutschland üblichen Täterfürsorge.

Dazu werden noch häufig die Thesen aufgestellt, dass die Opfer ja alles provoziert haben. So direkt wird natürlich heute meist nicht mehr vor gegangen. Heute werden esoterische Theorien aufgestellt, von schlechtem Karma, nachdem du alles verdient hast, oder dass du dein Leben so geplant hast mit all seinen negativen Erfahrungen, damit du etwas lernst. Bullshit! Nein, so ist das nicht, das ist reinste Täterphilosophie. Genau wie die „Sünderreligion“ Christentum: „Wir sind alle kleine Sünderlein. Du hast gefälligst alles zu vergeben und du hast es zu dulden. Der kleine Sünder kommt davon, denn sein Gott rettet ihn ja.“

Manche religiösen Vertreter scheinen den Sinn ihrer Religion in der Aufrechterhaltung des Patriarchats zu sehen. Die Jüdisch, Christliche und Muslimische Religionen sind die Grundpfeiler des Patriarchats. Sie haben die Ungleichheit und Minderwertigkeit von Frauen in ihren religiösen Schriften und Praktiken verankert. Okay, Christen haben ihre Bibel nicht richtig gelesen, oder die weiblichen Jüngerinnen herauszensiert. Das ist bekannt. Lest alle das Thomasevangelium, falls ihr mir nicht glauben wollt. Das Problem besteht aber vor allem in der Praxis. Toll wäre es, würde ein Christ wirklich nach seinen Prinzipien leben, dann würden keine Pfarrer kleine Kinder missbrauchen und die geringste unter ihnen wäre die Päpstin. Aber so ist es nicht. Von dieser Seite hört man immer noch Diskussionen, dass Frau für Religion keine Funktion hat. Super! Kommt alle zu Artemis, die liebt die Frauen. Schließt euch der göttlich weiblichen Seite an. Nein, im Ernst. Spiritualität ist universell. Das höchste Wesen hat sehr wahrscheinlich kein Geschlecht, zumindest aber sind beide Seiten gleichwertig vorhanden. Es ist im höchsten Maße rückständiges Mittelalter, was da in den Kirchen praktiziert und verbreitet werden darf. Viel wird diskutiert, was Frauen alles nicht dürfen, im Islam oder bei Kardinal Meissner. Aber Schwamm drüber, wenn es um missbrauchte Kinder geht! (Ist ja eh schon verjährt, wenn sich die posttraumatische Amnesie auflöst und das Kind sich erinnert. Gut eingerichtet und klug errechnet von den Pädophilen schützenden Gesetzgebern) Viel wird darüber geunkt, dass Frauen ein Recht auf Abtreibung haben und sich nicht mehr selbst die Stricknadel in den Uterus schieben müssen, wie früher, wo es dann wohl Gottes Strafe war, dass sie verbluteten. Aber wenig darüber, warum Frauen so was machen: Aus den eben genannten Gewaltstrukturen. Armut und Not. Oder wegen der Art  und Weise, wie das Kind gezeugt wurde: Eben auch oftmals, wahrscheinlich in den meisten Fällen, mit Gewalt. Wenig wird beachtet, wie wenig Chancen Frauen haben, diese Gewalt anzuzeigen, falls dies als Abtreibungsgrund anerkannt würde, so steht immer noch im Raum, der tolle Satz, den alle Täter so sehr lieben: „Du kannst es nicht beweisen“. Wer das Abtreibungsrecht angreift, Vergewaltigungen nicht bestraft, der macht sich zum Mittäter. Ja, was vermittelt  uns unsere Kultur, unser Staat und unsere Medien? Was geben sie für Signale an junge Frauen? Junge Frauen und Mädchen haben erstmal keine Ahnung. Ihnen wird das Märchen von der Gleichberechtigung erzählt. Gleichzeitig dürfen alle ihre Sachen nur noch rosa sein, damit man sie von den Jungs unterscheiden kann, nicht dass die Kindergärtnerin sie aus Versehen mit Bauklötzen spielen lässt… Sexismus gibt’s überall. Erst mit einer gewissen Lebenserfahrung hat frau die entsprechende Wut und Erfahrung und Erkenntnis angesammelt, die sich in solchen Texten widerspiegeln. Ihr jungen Mädchen, hört auf das, was euch die Älteren erzählen, lasst euch nicht unterbuttern. Ihr seid so viel Wert. So viel. Das müsst ihr euch sagen, denn so ist es und lasst es euch nicht wegnehmen.

Ja, heute werde ich emotional. Es gibt viel zu erzählen über Gewaltstrukturen. Für eine Analyse für die Gründe dieser Gewalt wäre es dringend mal Zeit.

Das Thema ist so groß, dass ich nicht alles für einen Blogartikel erfassen kann, also soll dies erst einmal ein Einstieg sein. Wahrscheinlich könnte frau ein dickes Buch darüber schreiben. Zu lange habe ich mich vor diesem Thema gedrückt, obwohl es eine dringende Notwendigkeit ist, diese Gewaltstrukturen zu benennen und das Patriarchat anzuklagen. Wir sollten dafür sorgen, dass das Wort „Emanze“ von kleinen Mädchen und jungen Frauen als das gesehen wird, was es ist: Eine „Menschenrechtskativistin“ für die diskriminierte Gruppe der weiblichen Personen, und nicht als etwas, für das man sich schämen muss, sonder etwas, wofür manche schon einen Friedensnobelpreis verdient hätten. Denn es scheint ein Krieg stattzufinden. Hinter den Kulissen. Ein Krieg, der nur mit Gewalt geführt werden kann. Mit struktureller Gewalt, mit emotionaler und psychischer Gewalt, juristisch in der Praxis unterlassener Hilfeleistung, und mit der brutalsten und offensichtlichsten Form der sexuellen Gewalt und auch der Durchführung von Morden. Alles findet hier statt. Ich höre euren Chor schon. Dass auch Frauen so was machen usw. blablabla Das ist die übliche Methode. JA, aber seht die Zahlen an, wie viele Frauen machen es, und wie viele Männer? DAS darf bei dieser Argumentation nicht vergessen werden. Das Thema kann nicht so behandelt werden, als wären die Zahlen auf beiden Seiten gleich. Für den #Aufschrei war es höchste Zeit. Und es ist noch lange nicht genug gesagt. Das Patriarchat schlägt zurück, honorige Bundespräsidenten und tanzende Sarazzine vorne weg. Nein ihr älteren Herren, so geht’s nicht. Diese Sache muss beachtet werden, denn es ist die Lebensrealität der Frauen und kann nicht einfach mit einem Handstreich weggewischt werden. Wir haben eine Stimme, eine Wählerstimme und wir haben das Internet und endlich kommen wir mal zu Wort. Lasst uns das endlich ausnutzen und nicht bei Facebook Freundschaftsanfragen zählen oder sich überlegen, ob „ER“ jetzt mal rüber geschaut hat oder nicht…. Lasst euer Leben um euch selbst drehen.. „ER“ kommt dann schon vorbei. Ganz bestimmt.

 


Artikel aus dem alten Blog: blogigo.de/artemis (Datum geschätzt)

©2014 Juliane Arnold

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