Feinstaubalarm

Feinstaubalarm ist etwas, das nur Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger richtig kennen. Diese können aber ein langes und trauriges Lied davon singen. Das Positive ist, dass wir alle zu Kindern werden, wenn wir Fahrkarten bei den Öffentlichen Verkehrsmitteln brauchen, also nur den halben Preis zahlen müssen, damit wir unser Auto stehen lassen. Da ich kein Auto mehr habe, hoffe ich jeden Tag auf Feinstaubalarm, wegen der verbilligten Fahrkarten, nicht wegen der Lunge. Wir haben hier in der Stadt, in der dieAutoproduktionsfirma P. und Autoproduktionsfirma D. residiert, ein Problem mit dem Sauerstoff bekommen. Dieser ist nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden. Statt dessen atmen wir Diesel und Benzinabgase und vom Himmel kommt so einiges an Flugzeugabgasen herab geregnet, das nicht als Chemtrail, sondern als Kondensstreifen bezeichnet werden soll. Es ist dreckig, auch ohne Verschwörungstheorie.

Vor ein paar Jahren fanden sich jeden Montag einige hundert und jeden Samstag „Zehntausende“ Demonstranten und Demonstrantinnen, die von den Politikern als „Wutbürger“ bezeichnet wurden, um gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 zu protestieren.

Vor Allem ging es auch gegen die Korruption der Baden-Württembergischen Landesregierung und die Fällung der Parkbäume, den Abriss des Bahnhofs  und des Kunst und Kulturzentrums Innerer Nordbahnhof.

Einige „hundert“ treffen sich bis zum heutigen Tag Montags um 18 Uhr auf dem Schlossplatz zur Stuttgarter Montagsdemo.

Die Baustelle des Bahnhofneubaus tat ihren Beitrag, um die Staustehzeiten für die Autofahrer bedeutend zu verlängern, ganz besonders, weil viele Strassen gar nicht mehr vorhanden sind oder zeitweise umgeleitet werden. Stop and Go ist für die Autofahrer normal geworden. Natürlich ist am Feinstaub in der Stadt Stuttgart aber der Motor des Dieselautos und die Bremsabriebe der Elektroautos, von denen es kaum welche gibt, schuld. Es werden neue Richtlinien für Plaketten erhoben, eine Grüne Plakette darf auf ein Auto mit wenig Abgasen und dieses darf in die Innenstadt. Eine türkische Autowerkstatt besorgt Ihnen so was jederzeit. Selbstverständlich hat das Auto die Schadstoffgrenze eingehalten. Wir haben also in unserer Stadt für Autos und Staus reichlich gesorgt. Dafür wurden für den Bahnhofsneubau viele der 300 Jahre alten Parkbäume gefällt, die bisher für frische Luft und deren Reinigung gesorgt haben. Wir „Ökospinner“ „Baumumarmer“ und „Wutbürger“ , die dagegen protestierten wurden mit dem Wasserwerfer aus dem Park getrieben. Es gab eine Erblindung und viele verletzte Augen, sowie eine von der Polizei verprügelte Schülerdemo, die rechtmäßig angemeldet im Park protestierte. Also es gab Jungs mit gebrochenen Armen und Mädchen, denen mit Absicht Pfefferspray in die Augen gesprüht wurde.

Als die neue grüne Regierung gewählt war, hatten die Demonstranten verloren. Der Park war mindestens wei Jahre lang von den hinzugekommen erwachsenen Demonstranten „linke Hippies, die wir aus der Stadt jagen sollten“ (Pfarrer Bräuchle) besetzt gehalten. Ich war eine davon. Wir schlugen Zelte auf und übernachteten. Es wurde eine neue Art Berliner Mauer errichtet, die das von der Polizei eroberte Terrain absicherte.

Wir anderen hielten den Rest bis ins Jahr 2012 besetzt.

Es waren bürgerkriegsartige Zustände. Wir Demonstranten hatten die Abmachung, uns an die Anweisungen von Gandhi zu halten und niemals gewalttätig zu werden. So hielten wir unseren guten Ruf in den Medien und wurden nicht zu Terroristen und Krawallmachern erklärt und der deutsche Mittelstand und die Rentner und Rentnerinnen beteiligten sich weiterhin an den Demonstrationen.
Eine Baden-Württemberg-weit durchgeführte Volksabstimmung beschloss jedoch am Ende, dass der Bahnhof in Stuttgart gebaut werden solle. Wir hatten gegen die rechten konservativen Stimmen, der Menschen im ländlichen Luftsauberidyll Schwäbische Alb und Schwarzwald: Lufterhohlungskurortgebiet einfach zu wenige Stimmen. Die Bäume des Parks wurden gefällt.

Es entwickeln sich bei mir persönlich Atemnotszustände, die an Asthma grenzen und ich hoffe, es ist bald nicht mehr Tabu eine Atemschutzmaske zu tragen, wie es uns die Pekinesen vor machen. Es stinkt wie die Pest in Stuttgart.

 


© 01. März 2017 Autorin Frau Juliane Arnold. Stuttgart, Deutschland.
 Artemisnews.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.