Das göttlich Weibliche und die Hexe

Frauen, die die Göttin verehren gelten im Allgemeinen als Hexen. Dies ist der Ursprung des Wortes. Das Patriarchat hat Hexen verfolgt, gefoltert verbrannt und gleichzeitig das Wort „Hexe“ negativ belegt.
Früher war Hexe noch ein Schimpfwort und heute noch fragt mich ein kleines Mädchen (11): „Eine Hexe, die ist ja böse!“ Ihre Verbrennung findet bis heute in jeder Kinderphantasie statt, wo Hänsel und Gretel sie in den Ofen stoßen. Soweit geht die Indoktrinierung der früheren Hexenverfolgungen bis heute. Das Märchen von der bösen Hexe, ist tief in die Kultur eingebrannt. Es entstand also mit dem Mädchen eine größere Diskussion darüber, ob es auch gute Hexen gibt. Dem „Herr der Ringe“ sei es gedankt, dass dort eine weiße Hexe auftritt, die dem Hobbit geholfen hat und so konnte ich das kleine Mädchen schließlich von der Existenz von guten Hexen überzeugen. Diese ist natürlich absolut weiß gekleidet und blond, wie es sich für gute Menschen eben gehört. Die Farb-Analyse ist christlich: Weiß= Gut und Schwarz = Böse. Bei der Göttin gilt das nicht, sie ist dreifach und besitzt 3 Farben. Keine davon ist böse, daher werden bei ihr auch keine schwarzen oder dunkelhaarigen Menschen diskriminiert.
Es zeigt sich also, dass die Kinder Geschichten und Vorbilder brauchen und wie sehr sie davon geprägt werden, was ihnen in diesen Geschichten erzählt wird. Wollen wir unsere Kinder nicht vollständig von den Medien verbilden lassen wird es Zeit für neue weibliche Geschichten und Märchen, die von heiligen Frauen und guten Feen und Hexen erzählen. All diese alten vergessenen Geschichten wieder auszugraben und neue zu erfinden, die in die heutige Zeit passen. Ansonsten werden wir von einer Bibi Blogsberg oder Barbie im Feenland überrollt.
Es geht um die echten Hexen, es gibt sie noch heute: Frauen, die die Göttin verehren.
Viele Frauen treffen sich inzwischen in Hexenzirkeln und feiern die alten Feste der Göttin, im Respekt zu der Natur, den weiblichen Zyklen und den Jahreszeiten. Sogar die Dianische Tradition mit einer heiligen Jagd wurde mancherorts wieder aufgelebt, wobei die Männer auch ihren gewaltigen Spaß haben. Die Hexenzirkel zählen immer mehr Mitglieder. Manche nennen sich nur schamanische Frauen oder Heilerinnen. Nur langsam kehrt das Wissen auch über die echte Magie in das Bewusstsein zurück. Die heutigen Hexen halten sich schwer zurück, die meisten wissen auch warum. Sie kennen die Rhythmen der Natur und die Zyklen von Geburt – Tod und Wiedergeburt und sie haben gelernt, sich zurück zu halten. Die Hexenverfolgung ist kein abgeschlossenes Thema, sie ist eine offene Rechnung der heiligen Frauen, des göttlich Weiblichen mit den patriarchalen Religionen. Die Ausrottung ist nicht gelungen, jetzt ist es an der Zeit, das Hexentum zu rehabilitieren, den guten Ruf wieder herzustellen und eine öffentliche Entschuldigung von den Kirchen einzufordern.

© 2015 Autorin, Zeichnungen, Bilder, Fotos: Juliane Arnold. Staibenäcker 24, 70188 Stuttgart.

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