Brexit – On- Off- Beziehung zu Großbritannien?

Die alten EngländerInnen, die schon zur See gefahren sind mit echten Segelbooten – äh Schiffen, haben neuerdings fest gestellt, dass das Commonwealth und die EU gar nicht das Selbe sind und eine Vereinigung der Staaten von Europa nicht bedeutet, dass wir anderen EuropäerInnen jetzt auch eine Queen über uns haben – oder unter uns. (Ich habe heute gelesen, dass die Queen die einzige Frau in Europa ist, die immer noch kein Frauenwahlrecht hat. – Wir können jetzt aber nicht mit Bannern auf der Strasse für sie demonstrieren gehen, weil Großbritannien uns gar nichts mehr an geht)
(http://mobil.stern.de/lifestyle/leute/brexit–warum-koenigin-elisabeth-ii–schweigt-6917354.html)

“Das Commonwealth of Nations ist eine Vereinigung unabhängiger Staaten, die heute als Nachfolger des British Empire gesehen werden kann. Die Institutionalisierung des British Commonwealth of Nations war Anfang des 20. Jahrhunderts eine Reaktion des Vereinigten Königreiches auf die Autonomiebestrebungen seiner Dominions (Kanada, Südafrika, Australien und Neuseeland) und sollte diese dadurch an das Empire binden.” (https://de.wikipedia.org/wiki/Commonwealth_of_Nations)

Der britische Traum von der Weltherrschaft sieht anders aus, als sich mit den anderen europäischen Staaten zu einigen.

Das British Empire, das wissen die älteren Briten genau, hat ganz anders aus zu sehen. Und nur sie allein sind dort Chef/in bzw Queen.

The_British_Empire

Sämtliche Gebiete, die jemals Teil des Britischen Weltreichs waren (heutige Territorien sind rot unterstrichen) (https://de.wikipedia.org/wiki/Britisches_Weltreich#/media/File:The_British_Empire.png)

Die älteren Briten und Britinnen sollen es noch wissen, denn ihnen ist es zu verdanken, dass die jüngeren Briten und Britinnen überstimmt wurden.

Außerdem wurden überstimmt: London, Schottland, Nordirland und Wales. Alle überlegen sich jetzt den Austritt aus Großbritannien, um in die EU zurück zu kehren, oder darin zu bleiben.

Wir können also mit weiteren Referenden rechnen. Vielleicht ist es dann das Inselland Großbritannien, das auseinander bricht, anstatt die Europäische Union.

Insel

Südirland oder einfach Irland wurde ja irgendwie 3 (?) Mal zur Volksabstimmung gerufen, bis es damit einverstanden war, in der EU zu bleiben, bzw. den Lissabon Vertrag ratifizierte. Damit hatte sich aber auch der ewig schwelende Irlandkonflikt etwas besänftigt, weil auf einmal Nord – und Südirland unter Europa vereinigt waren. Nun stellt sich die Frage erneut, was mit Nordirland passieren wird, sobald sich Katholiken und Protestanten nicht mehr gegenseitig erschießen zu müssen glauben, was schon länger nirgendwo mehr berichtet wurde. Immerhin haben wir jetzt islamistischen Terror, das genügt völlig.

Der Streit um die Ärzte und Ärztinnen Europas ist voll entbrannt. Die älteren Herrschaften Großbritanniens waren entnervt über die langen Wartezeiten beim Arztbesuch, bei denen die EU-Ausländer immer vor denen dran kamen. So ein EU-Ausländer wie mein Cousin, der in London wohnt. Der wird wohl bald nach Hause kommen müssen, blöd für die Engländer: Er ist dort der Arzt und hat eine Praxis. Deutsche junge Ärzte und Ärztinnen sind in Scharen nach Großbritannien gegangen, wegen der humaneren Arbeitsbedingungen. In Deutschland gehen die Arbeitszeiten im Krankenhaus 48 Stunden lang, in Großbritannien waren sie an den menschlichen Schlaf-Wach Rhythmus angepasst und so ging ein/e junger, frisch ausgebildete/r deutsche/r Arzt /Ärztin, genau wie viele andere ins europäische Ausland, um lieber dort zu arbeiten.

Es wird also von der Bundesregierung inzwischen dagegen protestiert, dass die Türkei die Syrischen Ärzte und Ingenieure als Flüchtlinge nicht zu uns durch lässt, sondern für sich behält. Irgendwie brauchen wir hier in Deutschland ja auch mal ÄrztInnen. Irgendwoher müssen sie ja kommen.

Die älteren Briten und Britinnen müssen also bald im Wartezimmer nicht mehr so lange anstehen. Diese Vernunftgründe sind natürlich auch ein Symptom des sich inzwischen global ausbreitenden Rassismus. Wenn um die Ressourcen gestritten wird, dann liegen vielen die eigenen Gene und ihnen ähnliche Gene eben näher. Nicht dass noch mehr Leute wie ich nach Großbritannien auswandern, in der Hoffnung auf ein besseres Sexualstrafrecht oder weil wir alle diese Fremdsprache am besten beherrschen. Wegen ersterem habe ich mir eh Frankreich ausgesucht, da ist sogar die Prostitution verboten und dort gibt es einen Kunstmarkt im Gegensatz zu Stuttgart. Vielleicht klappt´s noch mit der Auswanderung über das Schengen Abkommen, bevor Marine Le Pen auch den EU -Austritt Frankreichs fordert (FREXIT), sowie die AFD den Austritt Deutschlands, die ihre alte D-Mark wieder haben will. Sie alle haben gemeinsam, dass sie die Zeit zurück drehen wollen, auf den Stand von ca 1945.

Großbritannien ist eben eine Insel und bevor die viel beschworenen “Flüchtlingsfluten” diese untergehen lassen, schließen sie lieber den Tunnel, bevor er überläuft vor Menschen. Es könnte sein, dass die EU beschließt, dass Flüchtlinge gleichmäßig über ihr Territorium verteilt werden sollen. Nur um der Gerechtigkeit willen. Davor kriegen alle Fremdenfeinde Todesangst.

Dass alle die EU verlassen wollen, hängt auch mit deren Unübersichtlichkeit zusammen. Wir wissen ziemlich wenig über die EU, außer dass ab und zu mal ein Beschluss gefasst wird, der für uns alle gilt, wir aber wenig an der Diskussion beteiligt wurden. Das nennt man / frau dann “zu undemokratisch”. Wir werden einfach darüber informiert. Alle paar Jahre wählen wir ein europäisches Parlament, das aber wenig zu sagen hat, neben EU-Kommissaren. Von denen hört man/ frau vor allem, dass sie die Interessen der Wirtschaft vertreten und von dieser auch bezahlt werden? Alle diese Dinge machen misstrauisch.

Ich persönlich denke, es gab viel Gutes von der EU. Sie haben die Deutschen immer wieder gezwungen, ihre Frauenrechte auszubauen. Für internationale Abkommen, wie die Istanbul Konvention können deutsche Frauen nur dankbar sein, oder die freie Erhältlichkeit der “Pille danach” in der Apotheke. Ohne die EU wäre das nicht möglich gewesen. Die fortschrittlicheren Länder der EU ziehen die anderen mit.

1999 wurde für uns in Deutschland das Geld halbiert. In Großbritannien haben sie so etwas schon gleich gar nicht mit gemacht. So stand damals auf meinem Gehaltszettel nur noch die halbe Summe Euros, wie es vorher in DM waren.

Eines der Probleme dabei war, dass auf den Preisschildern nicht die halbe Summe stand, sondern nur das DM durch das € Zeichen vertauscht wurde, auch wenn uns unsere Medien vom Gegenteil überzeugen wollten. Immerhin galt das nur für Lebensmittel und nicht für Fernseher. Insgesamt haben sie dadurch die EU-BürgerInnen etwas verärgert.

Das ist der Grund, warum es heute die “DM-Zurück-Haben-Wollen-Partei” AFD gibt. Solche Parteien sind natürlich auch für den Austritt Deutschlands aus der EU. Es könnte der DEXIT daraus werden.

Des Weiteren denken viele deutsche, dass sie die Schulden von Griechenland bezahlen müssen, während die Griechen denken, Frau Merkel würde gerade ihr Land regieren und über ihre Finanzen bestimmen. Griechenland hat also auch einige Bestrebungen gezeigt den GREXIT zu machen. Bisher ohne Erfolg.

Insgesamt sind die “ewig Gestrigen” überall auf dem Vormarsch. Anstatt das Gebilde EU zu modernisieren und unsere Probleme gemeinsam zu lösen, fallen Sie lieber in alte Muster zurück und wollen die EU zerstückeln. Der Frieden in Europa seit 1945 beruht aber nicht zu geringen Teilen an der Kooperation der Europäischen Länder und nicht darauf, sich gegenseitig zu bekämpfen, weil manche ihre Haarfarbe oder ihre Landessprache in Gefahr sehen. Die Kriegsgefahr wird steigen, wenn noch mehr Länder folgen und wenn die Rechtspopulisten in den europäischen Ländern noch mehr an Fahrt gewinnen. Deutsche Militärs träumen immer noch davon, mal wieder “den Russen” auf der Krim anzugreifen und sich mal wieder so richtig die Nase blutig schlagen zu wollen. Auch das gehört zu dem Denken unserer rechtsnationalen Parteien. Was sie einfach nicht sehen wollen: Das wäre der Beginn des 3. Weltkriegs.

Die Flüchtlinge sind nicht die Bedrohung für Europa, aber die Fremdenfeinde, Rassisten und Fremdenhasser, die überall die Spaltungsparteien gebildet haben.

Wirklich wichtig wäre es, die BürgerInnen der EU besser zu informieren und ihre Mitbestimmungsrechte zu erhöhen, damit sie nicht nur noch die Möglichkeit haben, irgendwann eine Reißleine zu ziehen und in einem Referendum die ganze EU zu verdammen und zu verlassen. Die EU muss demokratischer und transparenter werden, damit sich die BürgerInnen nicht zu bevormundet fühlen.

Hoffentlich kriegen wir alle in Europa noch mal rechtzeitig die Kurve, bis in Großbritannien die “Alten” EU-Gegner, mit dem British-Empire-Denken, ausgestorben sind und die die heute jung sind und gegen den Brexit waren das Sagen haben. Es ist zu erwarten, dass in 20 Jahren das Land zu uns zurück kehren wird. Vorher wird aber noch eine Menge Wasser die Themse herunter fließen.


© 29.Juni 2016 Autorin Frau Juliane Arnold. Stuttgart.
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