Beantwortung eines Leserbriefs

Sehr geehrter Herr W….,
ich freue mich über Ihr großes Interesse und bedanke mich für Ihr Mitgefühl.
Ihre Email umfasst ja sehr viele Inhalte zum Thema Feminismus. Ich habe einige Ihrer Fragen schon auf meinem blog: Blog.artemis.li beantwortet. Besonders meine Meinung zu dem Fall Kachelmann. Ich glaube nicht an die immerwährende Geschichte von der „Falschbeschuldigerin“. Es gehört viel Überwindung dazu, sich als Vergewaltigungsopfer zu outen, denn viele Leute werden auf das Opfer herab sehen und es hieß früher nicht für um sonst die „Schändung“. Dabei liegt die Schande bei dem Opfer, nicht bei dem Täter und es sind die Opfer, die sich schämen und ich denke, es sind die allerseltensten Fälle, in denen eine Frau eine solche Psychopathie entwickelt, so eine Sache zu erfinden und bis zum Schluss durch zu ziehen. Es handelt sich um einen typischen Vergewaltigungsmythos und eine gesellschaftliche Abwehrstrategie, alle Anzeigerinnen grundsätzlich als „Falschbeschuldigerinnen“ zu bezeichnen. Und wie gesagt: Ein Mangel an Beweisen heißt nicht, dass es nicht wahr ist, sondern es kann nicht bewiesen werden. Denkt mal jemand, im Fall Kachelmann, an Claudia D, deren Leben ruiniert ist und die jetzt selbst angezeigt wird und die ein Trauma hat? Viele Frauenleben werden zerstört und niemanden interessiert es. Es wird einer Frau nur überall gesagt, sie solle sich auf gar keinen Fall wehren oder vor Gericht gehen. Ich habe meine Erfahrungen mit lebenslangen, immer wieder statt findenden Vergewaltigungen in dem Gedicht beschrieben und das hat meine Gesundheit und meine Arbeitsfähigkeit stark belastet, sowie mein Vertrauen in einen Rechtsstaat völlig zerstört. Oder das Vertrauen in ein vermeintlich sicheres Deutschland. Ich leide fast täglich unter den Folgeschmerzen, aber ich hatte nie eine Chance auf Schmerzensgeld. Ich kann keine Gerechtigkeit in  unserem System mehr erkennen, indem ein paar Mind-Controler das Phänomen der Amnesie und dissoziativen Störung zur massenhaften und immer wieder wiederholten Vergewaltigung ausnutzen und das medizinische und juristische System will davon noch nie gehört haben und berücksichtigt nicht die besondere Lage von Opfern mit dieser Störung, die im Übrigen fast nur durch so ein sexuelles Gewaltverbrechen verursacht wird, wenn die Person nicht gerade kriegerische Handlungen verwickelt war.
Wie das mit der Praxis in der Diskrepanz von Verurteilten Vergewaltigern  und tatsächlichen Vergewaltigungen aussieht zeigen einige Statistiken und hinterlassen bei Opfern den Eindruck der völligen Straffreiheit für dieses Verbrechen. Genauso, wie kein Unrechtsbewusstsein bei möglichen Tätern besteht, die wissen, dass sie davon kommen. Und ja, ich wollte aufrütteln, indem ich meine Geschichte erzähle und in dem Gedicht waren nur ein Bruchteil der Taten enthalten, die an mir begangen wurden und ich wollte der Gesellschaft zeigen, was das für Folgen hat, dass die Vergewaltiger hier nichts zu befürchten haben vom Strafrechtssystem. Dies sind die  Folgen für mein Leben gewesen. Ich bin rechtlos diesen Leuten ausgeliefert. Ich habe oft mein Gedächtnis verloren und das wissen sie, und darum kamen sie immer wieder. Ich wollte der Gesellschaft sagen: Das sind die Taten, und Täter, die sie beschützt, wenn sie immerwährend das Märchen von der „Falschbeschuldigerin“ erzählt und die Täter nicht verurteilt. Selbst bei nachgewiesenen Taten schauen die Richter gerne mal weg.


„Nur ein Bruchteil der Anzeigen führt zu einer Verurteilung. Fakt ist, dass die Quote der Verurteilungen seit Jahren sinkt. In 2012 erlebten nur 8,4% der Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigten, die Verurteilung des Täters. Zum Vergleich: 5 Jahre zuvor lag die Verurteilungsquote noch bei 15,4% und war damit fast doppelt so hoch.

 

Auffällig sind außerdem die Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die Verurteilungsquote schwankt in den einzelnen Ländern zwischen 4,1 und 24.4 %! D.h. in manchen Bundesländern wird nur jeder 25. Tatverdächtige verurteilt.

 

Die meisten Verfahren führen dabei erst gar nicht zu einem Prozess, sondern werden schon von der Staatsanwaltschaft eingestellt.“

PETITION HIER:

https://xn--www-4m0a.change.org/p/heikomaas-schaffen-sie-ein-modernes-sexualstrafrecht-neinheisstnein

https://www.frauen-gegen-gewalt.de/vergewaltigung-verurteilen.html


Wie viele Frauenleben werden hier zerstört, die keinerlei Chance auf ihr Recht haben, das auch noch ziemlich unvollkommen im Gesetzbuch verankert ist? So dass wir noch einfordern müssen, dass das Wort „Nein“ auch als ein „Nein“ verstanden wird?

Es spielt für mich keine Rolle, ob gesagt wird, es gäbe auch weibliche Täterinnen. Ich denke der Prozentsatz ist verschwindend gering, aber es gibt Helferinnen und Mittäterinnen und man sollte nicht ein Geschlecht anders Beurteilen und Verurteilen als ein anderes. Das Gesetzt sollte nicht mit zweierlei Maß messen. Falls eine weibliche Täterin gefunden wird, bitte verurteilen. Aber das gilt auch für die Männer. Es ist kein Argument. Es geht mir nicht darum zu sagen: Männer sind böse und Frauen gut. Es geht um Einen Verbrecher und ein Opfer und nur so darf ein Gericht und die Welt das beurteilen. Im Fall Vergewaltigung sind nun mal die meisten Täter die Männer und die haben immer noch höhere Machtpositionen und mehr Geld aufgrund der Chancenungleichheit der Geschlechter und der Seilschaften. Sie können sich so auch besser durchsetzen vor Gerichten, in der Presse und Gesellschaftlich. Dagegen ist eine Sozialhilfeempfängerin reichlich machtlos, wenn so ein Mann sich überlegt, sie mal eben zu vergewaltigen. Das Argument, dass es auch weibliche Täterinnen gibt, halte ich eher für einen Abwehrmechanismus, der die Schuld und die Schande so schnell wie möglich wieder auf das weibliche Geschlecht lenken soll. Das ist eine typische Reaktion und hat mit der Lebensrealität nichts zu tun, in der wohl eher 99 % der Täter nun mal die Männer sind und die Männer sollten ihre eigenen Verhaltensmuster lieber mal überdenken. Warum denken so viele Männer immer noch, sie hätten ein Recht darauf sich jede Frau zu nehmen, wie sie wollen, ohne deren Erlaubnis? Denn genau so ist es. Es fehlt ihnen an jeglichem Unrechtsbewusstsein. Ich habe Männer erlebt, denen konnte ich mich gerade noch entreißen und die rufen hinterher noch an und fragen: „Wann treffen wir uns mal wieder?“ Die haben nicht einmal kapiert, dass sie gerade ein Verbrechen an mir verüben wollten und dass ich das nicht will und dass ich da auch nicht wider kommen will. Denen hat jemand gesagt: Das ist okay und die Frauen wollen das. Das müssen sie in Pornographie und in  Bordellen gelernt haben, dass die Frau zur Verfügung steht und immer willig ist? Oder haben sie es von ihrer Familie gelernt, wie mein Missbrauchstäter meiner Kindheit, dem alle gesagt haben, er sei „Der Herr im Haus“ und daher der Chef und er darf einfach alles mit Frauen und Kindern tun. Das deutsche „Herrenrecht“ das in manchen Familien immer noch inoffiziell ausgelebt wird prägt diese Männer darauf, dass ihnen diese Taten erlaubt sind und dass alle wegsehen werden. Sie scheinen nicht zu wissen, dass es eine Straftat ist. Besonders dann nicht, wenn das Wegesehen ein groß gesellschaftlich  anerkanntes Verhalten und ein typische Reaktion geworden ist.

Über die Gleichstellung von Mann und Frau sind wir uns einig. Natürlich gibt es hier noch viel zu tun. Ich habe meinen Fokus momentan leider auf die schlimmsten Zustände richten müssen. Auf stattfindende Folterungen und Gehirnwäschen in Deutschland, die ich selbst erlebt habe. Die gemacht werden, um die Amnesie und Manipulierbarkeit zu gewährleisten.

 

Für eine Frontenbildung zwischen Männern und Frauen bin ich überhaupt nicht. Ich habe mich in meinem Leben aber so gefühlt, als ob Männer geradezu einen Krieg gegen mich führen und mein eigenständiges Leben jedes Mal verhindern, wenn ich wieder auf die Beine komme. So lange, bis ich nur noch chronisch krank war und jetzt bin ich mal wieder dabei aufzustehen und dies laut zu verkünden, denn so wie es jetzt ist, will ich nicht mehr in einer Gesellschaft weiter leben. Ich will nicht mehr ein Leben haben, wo ich in allen Phasen immer wieder brutal vergewaltigt werde, einfach weil das System so gemacht ist, Täter optimal zu schützen. Danach komme ich gerne mal auf Probleme wie schulische Benachteiligungen oder Sorgerechtsprobleme zu sprechen. Jetzt muss das erstmal ein Ort ohne Gewaltverbrechen werden, für mich persönlich, um überhaupt mal existieren zu können. Beim Thema Sorgerecht für Väter graut es mir persönlich, denn die meisten Kindesmissbräuche finden durch verwandte Männer statt. Es tut mir sehr leid, dass es so ist. Ein Vater sollte ein Beschützer sein und Kinder, man / frau sollten ihm vertrauen können. Es ist nicht schön so über Männer denken zu müssen,  ich will das nicht, aber es ist realistisch und es entspricht meiner Lebenserfahrung. Ich hätte gerne ein besseres Bild von der Justiz, den Männern und der Gesellschaft gehabt und ich arbeite daran, das Bewusstsein darüber zu verändern, denn wie sie schon sagen: Wenn man einmal sieht, was da an Gewalt stattfindet, kann kein zivilisierter Mensch das noch gut finden. Darum musste das Gedicht “Du kannst es nicht beweisen” geschrieben werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

Juliane Arnold

 

 

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